Lohnt sich ein Balkonkraftwerk wirklich?
Balkonkraftwerke sind der Renner — doch lohnen sie sich auch finanziell? Die kurze Antwort: In den allermeisten Faellen ja. Die ehrliche Antwort ist etwas laenger, denn ob und wie schnell sich ein Stecker-Solargeraet rechnet, haengt von Ihrem Standort, der Ausrichtung, dem Strompreis und vor allem von Ihrem Eigenverbrauch ab. In diesem Ratgeber rechnen wir Schritt fuer Schritt durch, was realistisch drin ist — und wann sich die Anschaffung tatsaechlich nicht lohnt.
Anschaffungskosten realistisch
Die gute Nachricht zuerst: Balkonkraftwerke sind so guenstig wie nie. Ein vollwertiges 800-Watt-Komplettset mit zwei Modulen, Wechselrichter und Anschlusskabel gibt es bereits ab rund 250 bis 350 Euro. Dazu kommen je nach Situation noch eine Halterung (etwa 25 bis 100 Euro) und gegebenenfalls eine Wieland-Einspeisesteckdose mit Montage (rund 60 bis 150 Euro). Realistisch sollten Sie also mit Gesamtkosten zwischen 300 und 500 Euro rechnen, wenn Sie selbst montieren.
Wichtig fuer die Rechnung: Seit der Mehrwertsteuer-Befreiung (Nullsteuersatz) fallen beim Kauf von Photovoltaik-Komponenten keine 19 Prozent Umsatzsteuer mehr an. Das macht die Anschaffung spuerbar guenstiger. Wer zusaetzlich eine kommunale Foerderung nutzt, druueckt die Kosten weiter. Mehr dazu in unseren Ratgebern zur Steuer und zur Foerderung.
Jahresertrag nach Ausrichtung
Der Stromertrag eines Balkonkraftwerks haengt massgeblich von der Ausrichtung und dem Neigungswinkel ab. Als Faustregel liefert ein 800-Watt-System in Deutschland zwischen 550 und 850 Kilowattstunden pro Jahr. Hier eine realistische Orientierung fuer ein typisches 800-Wp-Set:
| Ausrichtung | Aufstellung | Jahresertrag (ca.) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Sued, geneigt 30° | Aufgestaendert | 750-850 kWh | Optimal |
| Ost oder West | Geneigt | 600-700 kWh | Sehr gut |
| Sued, senkrecht | Gelaendermontage | 550-650 kWh | Gut |
| Nord | Beliebig | 300-400 kWh | Schwach |
Wie Sie den Ertrag durch die richtige Ausrichtung optimieren, lesen Sie im verlinkten Ratgeber.
Eigenverbrauch und Ersparnis
Der entscheidende Faktor fuer die Wirtschaftlichkeit ist nicht der Ertrag allein, sondern der Eigenverbrauch. Denn nur der Strom, den Sie selbst verbrauchen, ersetzt teuren Netzstrom und spart bares Geld. Strom, den Sie ueberschuessig erzeugen und nicht nutzen, fliesst unentgeltlich ins Netz — eine Verguetung gibt es bei Balkonkraftwerken praktisch nicht.
In einem typischen Haushalt mit Grundlast (Kuehlschrank, Router, Standby-Geraete) und etwas Tagespraesenz lassen sich erfahrungsgemaess 60 bis 80 Prozent des Solarstroms direkt nutzen. Rechenbeispiel: Erzeugt Ihr Set 700 kWh im Jahr und Sie verbrauchen 70 Prozent davon selbst, sparen Sie 490 kWh Netzstrom. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 170 Euro Ersparnis pro Jahr. Wer den Eigenverbrauch durch geschicktes Timing oder einen Speicher steigert, holt noch mehr heraus.
Amortisationszeit berechnen
Die Amortisationszeit ergibt sich, indem Sie die Anschaffungskosten durch die jaehrliche Ersparnis teilen. Beispiel: Kostet Ihr Set inklusive Halterung 350 Euro und spart 170 Euro pro Jahr, ist es nach gut zwei Jahren bezahlt. Selbst bei unguenstigeren Bedingungen — etwa 120 Euro Ersparnis und 450 Euro Kosten — liegt die Amortisation bei rund vier Jahren.
Da die Module 20 bis 25 Jahre halten, liefert ein Balkonkraftwerk nach der Amortisation noch viele Jahre nahezu kostenlosen Strom. Ueber die gesamte Lebensdauer summiert sich die Ersparnis schnell auf einen vierstelligen Betrag. Eine detaillierte Schritt-fuer-Schritt-Anleitung mit Rechenfaktoren finden Sie in unserem Amortisationsrechner. Welche Sets das beste Verhaeltnis aus Preis und Leistung bieten, zeigt unser Preis-Leistungs-Vergleich.
Wann es sich nicht lohnt
So ueberzeugend die Rechnung meist ausfaellt — es gibt Situationen, in denen sich ein Balkonkraftwerk kaum oder gar nicht rechnet. Das ist der Fall, wenn der Standort dauerhaft stark verschattet ist, etwa durch Nachbargebaeude oder Baeume. Auch eine reine Nordausrichtung druueckt den Ertrag so stark, dass die Wirtschaftlichkeit leidet.
Kritisch wird es ausserdem, wenn Sie tagsueber praktisch keinen Strom verbrauchen und keinen Speicher nutzen — dann landet der Grossteil des Stroms ungenutzt im Netz. Und schliesslich kann eine sehr kurze geplante Wohndauer in Kombination mit aufwaendiger, kostspieliger Montage die Rechnung verschlechtern. In all diesen Faellen lohnt es sich, Standort und Verbrauch vorab kritisch zu pruefen. Eine ehrliche Betrachtung des Speicher-Themas finden Sie unter Balkonkraftwerk mit Speicher: lohnt sich das?.
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